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Verschwörungswahn in Zeiten der Krise

Bereits seit mehreren Wochen versammeln sich in vielen Städten, so auch in Thüringen, Menschen zu sogenannten „Spaziergängen“, um vermeintlich für Grundrechte und gegen die „Corona-Maßnahmen“ zu protestieren. Eins ist jedenfalls sicher: Zu diesen Demos kommen unterschiedliche Gruppen zusammen. Esotheriker*innen, Verschwörungsideolog*innen, Impfgegner*innen, AfD-Fans und diverse Unternehmer, die sich in der Pandemie ihren Profit nicht nehmen lassen wollen. Es scheint so, als haben viele ihre jeweils eigene Motivation, um gegen die vermeintliche „Corona-Panik“ auf die Straße zu gehen. Für die eine ist es die Sorge vor der unsinnigen Behauptung es gäbe bald „Zwangsimpfungen“, für den anderen ist es schlicht der Hass auf die „Eliten“. Zu letzteren zieht man sich dann irgendeine passende Verschwörungsideologie heran.

Und genau darin liegt die Gefährlichkeit dieser Versammlungen. Es handelt sich nicht nur um harmlose Spinner. Verschwörungsideologien sind ein Ausdruck von (strukturellem) Antisemitismus. Wenn davon gefaselt wird, dass Bill Gates bald die ganze Welt zwangsimpfen will oder Corona nur eine Erfindung einer NWO wäre, dann ist das die gleiche hässliche Erzählung von der angeblich „jüdischen Weltverschwörung“, wie sie schon immer zur Ideologie von Nazis und Antisemiten dazugehört. Hinzu kommt eine grundlegend feindliche Haltung gegenüber Wissenschaft und Medien – für eine Demokratie mehr als beunruhigend.

Dass die AfD oder andere rechte Akteure versuchen diese Ansammlungen zu übernehmen, dürfte keine Überraschung sein. So haben diese Gruppen doch bereits in der Vergangenheit sich mit Begriffen, wie „Grundgesetz“, „Grundrechte“ oder „Meinungsfreiheit“ geschmückt, obwohl sie rein gar nichts davon verstehen. Allen besorgten Bürger*innen, die jetzt meinen sie würden bei diesen Hygienedemos für das Grundgesetz auf die Straße gehen, sei folgendes gesagt: Nach Artikel 1 ist die Würde des Menschen unantastbar und wenn auf Intensivstationen irgendwann nicht mehr genügend Covid19-Patient*innen beatmet werden können und Menschen aufgegeben werden müssen, dann wäre das der eigentliche Bruch mit dem Grundgesetz. Ihr lobt den schwedischen Weg, dabei sind gerade dort mehr als drei Mal so viele Menschen durch Covid-19 gestorben, wie in Dänemark, Finnland und Norwegen zusammen (https://www.sueddeutsche.de/politik/schweden-coronavirus-1.4904015). In Schweden wurden „die Alten“ schlichtweg geopfert. Mit Menschenwürde hat das nichts zu tun!

Der Auftritt von Kemmerich (FDP) bei der Demo in Gera ist definitiv keine Überraschung. Zum einen sollte seine fehlenden Berührungsängste zum rechten Rand längst bekannt sein, zum anderen vertritt Kemmerich selbstverständlich die Interessen des Kapital und in der aktuellen Situation sieht man recht deutlich, dass gefährliche Lockerungen der Schutzmaßnahmen besonders auf Drängen der Wirtschaft eingeführt werden. Für den eigenen Profit nimmt man eine viel stärkere zweite Infektionswelle gerne in Kauf. Die „Hygienedemos“ sind vor allem eines: Ein Ausdruck einer unsolidarischen Gesellschaft - jeder ist sich selbst am nächsten. Was sollen die Beschäftigten im Einzelhandel oder in der Pflege dazu sagen?

Schluss mit dem Verschwörungswahn! Nur Solidarität kann eine Antwort auf die Krise sein!