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Georg Buder

Die Einführung des Azubitickets: Ein kleines Resumee

Seit dem 1. Oktober diesen Jahres ist das Azubiticket erwerbbar. Es kostet 50€ pro Monat, gilt in Bussen, Bahnen und Regionalzügen und bis auf Greiz, in allen Thüringer Landkreisen und kreisfreien Städten. Klaus Sühl, Staatssekretär im Infrastrukturministerium lud diese Woche Vertreter*innen der linksjugend ein, um über die aktuelle Situation zu diskutieren.

Als linksjugend [‘solid] setzen wir uns seit 2014 für die Einführung eines landesweiten und kostengünstigen Azubitickets ein, damit auch Auszubildende einen günstigen Zugang zum überregionalen ÖPNV bekommen. Nach Hessen ist Thüringen erst das zweite Bundesland mit einem landesweiten Azubiticket.

Problembehaftet zeigt sich aber, dass zum jetzigen Zeitpunkt gerade einmal 3000 Tickets verkauft wurden. Bei 50.000 Thüringer Azubis (entspricht dies einem Bruchteil) eine enttäuschende Bilanz. Sicherlich ist nicht jede*r Azubi auf den ÖPNV angewiesen und nicht jede*r hat ein Bedürfnis für ein landesweites Ticket. Die geringe Anzahl lässt dennoch vermuten, dass es andere Ursachen gibt. In einer Untersuchung1 gaben 64% der Thüringer Azubis an den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen, und: je niedriger der Preis, desto mehr würden ein landesweites Ticket in Anspruch nehmen. Das Problem ist, Ausbildungen werden in Teilen sehr gering vergütet oder kosten sogar Gebühren. Damit ist jeder Euro knapp und für viele Auszubildende sind die Kosten des Tickets nicht stemmbar. Hier gibt es Nachbesserungsbedarf, wofür wir weiter eintreten müssen.

Grundsätzlich hat die Gesellschaft und das Land Thüringen ein Interesse daran, dass junge Menschen mobil sind. Nicht nur damit sie zu ihrem Arbeitsplatz oder der Schule kommen, sondern auch um in der Freizeit mobil zu sein, um gesellschaftlich teilhaben können, zum Beispiel wenn die nächste Einkaufsmöglichkeit, die Freund*in oder der Sportverein zwei, drei Gemeinden entfernt liegen.

Es gibt aber auch eine weitere Interessengruppe welche in der Pflicht steht, Wege und Strecken für Azubis zu erleichtern: die Unternehmen und Wirtschaftskammern. Bis jetzt beteiligen sich diese nicht.

Seit der Wende setzt sich der Trend fort, dass junge Menschen aus Thüringen wegziehen und in anderen Bundesländern ihre Zukunft suchen. In Thüringen fehlen Perspektiven, Arbeitsverhältnisse sind prekär und Löhne fallen durchschnittlich niedriger aus. Aus der Wirtschaft selbst werden Stimmen lauter, dass es schwieriger wird Auszubildende und Arbeitnehmer*innen zu finden. Warum wohl? Bis 2030 sollen rund 270.000 Arbeitskräfte aufgrund des Renteneintritts wegfallen, deren Ausgleich nicht absehbar ist.2 Das heißt für die Unternehmen besteht die Notwendigkeit darin, neue Wege zu gehen, um Arbeitnehmer*innen und Auszubildende zu werben. Beispielhaft mittels höheren Löhnen, dem Zurückdrängen prekärer Arbeit und durch die Schaffung der Möglichkeit, dass Betreffende kostengünstig aus weiter entfernten Regionen pendeln können. Hier müssen wir den Druck erhöhen, damit es zu einer Beteiligung durch die Wirtschaft kommt. Klaus Sühl machte nicht so viel Hoffnung, zumindest sollen aber im Frühjahr Gespräche stattfinden.

Mit Blick auf den Wahlkampf und die kommende Legislatur liese sich die Idee eines “Solidartickets” nach Vorbild des hessischen Schüler-/Azubitickets aufgreifen. Ein gemeinsames Ticket für Auszubildende, Menschen im Freiwilligen Sozialen und Ökologischen Jahr, Bundesfreiwilligendienstleistende, Schüler*innen und auch Studierende. Aktuell existieren noch für die Gruppen unterschiedliche Tickets, verbunden mit verschiedenen Preisen und Reichweiten. Gemeinsam haben Azubis, Studis, Buftis jedoch, dass sie sich in Vorbereitung auf das Berufsleben befinden, in den meisten Fällen nicht finanziell unabhängig sind und auf eine ausreichende Unterstützung angewiesen sind.

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1 Untersuchung des Mobilitätsverhaltens von Schülern und Auszubildenden in Thüringen Ergebnisbericht Erfurt, 27. Dezember 2017.

2IAB. Untersuchung Thüringer Arbeitsmarkt. TA. 19.09.18.