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| Bildung |
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| Geschrieben von: Redaktion |
| Sonntag, den 23. März 2008 um 16:26 Uhr |
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Bildung spielt eine zentrale Rolle für die Emanzipation jedes einzelnen Menschen und für eine progressive Entwicklung der Gesellschaft. Sie hat in der Politik unseres Jugendverbands daher einen sehr hohen Stellenwert. Die Linksjugend [' solid] Thüringen lehnt die herrschende Bildungspolitik ab. Wir halten es für zutiefst verlogen, dass PolitikerInnen im Bund und in den Ländern in Sonntagsreden immer wieder auf die Wichtigkeit von Bildung hinweisen, aber zugleich an den viel zu geringen Bildungsausgaben festhalten und Bildungskapazitäten abbauen. Wir kämpfen vom Kita bis zur Weiterbildung für den Ausbau von Bildungsangeboten und für eine deutliche Erhöhung der Bildungsausgaben. Die Linksjugend [' solid] Thüringen kritisiert, dass die Bildungsteilhabe in der Bundesrepublik zutiefst ungleich verteilt ist. Insbesondere junge Menschen aus sozial schwachen Familien, Behinderte und Flüchtlinge werden im Bildungssystem nach unten durchgereicht, ausgegrenzt und am Ende vielfach ohne berufliche und persönliche Lebensperspektive fallen gelassen. Für uns ist Bildung dagegen ein Menschenrecht, das für alle Kinder und Jugendlichen gleichermaßen durchgesetzt werden muss. ı Die Linksjugend [' solid] Thüringen wehrt sich dagegen, Bildung als Wettbewerbsfaktor zu betrachten. Uns geht es um Bildung, die der Persönlichkeitsentwicklung und Selbstentfaltung dient und die sich am sozialen, ökologischen und kulturellen Fortschritt orientiert – nicht aber an der kapitalistischen Verwertbarkeit und an der Stärkung des deutschen bzw. europäischen Wirtschaftsstandorts. Wir fordern, dass Bildung neben der Vermittlung einer beruflichen Perspektive auch auf eine selbstbestimmte Rolle in der Gesellschaft vorbereitet und nicht die unkritische Anpassung an die herrschenden Verhältnisse zum Ziel hat. Eine in diesem Sinne bessere Bildung lässt sich allein auf parlamentarischer Ebene nicht durchsetzen. Notwendig ist Widerstand auf der Straße und direkt in den Schulen, Hochschulen und Betrieben. Deshalb unterstützt die Linksjugend [`solid] Thüringen den Aufbau des Studierendenverbandes DIE LINKE.SDS an den Thüringer Hochschulen. Außerdem suchen wir die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und insbesondere der Gewerkschaftsjugend und bringen uns wo möglich in Jugendbündnisse für Ausbildung und weitere Bildungsbündnisse ein. Unsere zentralen Forderungen: 1. Bildung ist ein Menschenrecht: Wir fordern die Verankerung des Rechts auf Bildung im Grundgesetz. Die gesamte Bildungspolitik muss darauf ausgerichtet sein, allen Menschen, ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Oberstes Ziel muss der Abbau von sozialen und rechtlichen Hürden sein, die der Bildungsgerechtigkeit entgegen stehen. 2. Bildung ist keine Ware. Wir lehnen die zunehmende Privatisierung in der Bildung ab. Ihr gesellschaftlicher Nutzen macht Bildung zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Die Finanzierung von Kitas, Schulen und Hochschulen gehört in öffentliche Verantwortung. 3. Bildung kostet Geld. Die bestehenden Mängel im Bildungssystem, die zu nicht unerheblichem Maße auf eine jahrzehntelange Unterfinanzierung zurückzuführen sind, sind offenkundig. Die Antwort darauf kann nur eine Aufstockung der öffentlichen Finanzierung sein, denn gute Bildung kostet Geld! Die Ausgaben müssen auf mindestens 7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes angehoben werden. Mit einem gerechten Steuersystem würden ausreichend Mittel zur Verfügung stehen. 4. Gegen Gebühren. Wir lehnen jegliche Gebühren in der Bildung ab. Kitas müssen ebenso gebührenfrei sein, wie die Hochschulen. Unser Nein zu Studiengebühren gilt auch für Verwaltungsgebühren, so genannte Langzeitgebühren oder Studienkonten. In der Ausbildung dürfen Auszubildende ebenfalls nicht durch Prüfungsgebühren o.ä. zur Kasse gebeten werden. Für die Schulen fordern wir eine umfassende Lernmittelfreiheit. 5. Soziale Durchlässigkeit: Das in hohem Maße sozialselektive deutsche Bildungssystem bedarf grundlegender Verbesserungen, beginnend mit der vorschulischen Bildung. Wir wollen strukturelle Bildungshürden in allen Bildungsphasen abbauen und lehnen die zunehmende Differenzierungsversuche in der Ausbildung und im Studium ab. Mit einer Ausbildung, die Jugendliche dauerhaft in den Niedriglohnbereich oder die Arbeitslosigkeit verschiebt, ist keinem geholfen. An den Hochschulen muss der Zugang in den Master generell offen sein. Der zweite Bildungsweg muss gestärkt werden. 6. Demokratische Steuerung: Lernende und Lehrende müssen umfassende Mitbestimmungsrechte haben. Nur so lässt sich eine demokratische Bildung erreichen. Die Umstrukturierung der Bildungseinrichtungen nach dem Muster von Unternehmen lehnen wir ab. Markt- und Wettbewerbsmechanismen sind keine tauglichen Instrumente zur Steuerung von Bildung. 7. Bildungsföderalismus: Wir wollen keinen föderalen Wettbewerb auf Kosten der Schülerinnen und Studierenden. Die unterschiedlichen finanziellen Spielräume armer und reicher Bundesländern führen zu unterschiedlichen Qualitäten der Ausbildung und sind Ursache von Benachteiligungen. Eine bessere und gerechtere Bildung setzt eine bundesweite Bildungsplanung und ein bundesweites Bildungsrahmengesetz voraus. Auch die Finanzierung der Bildungseinrichtungen und des Personals muss mit durch den Bund erfolgen können. 8. Integration statt Sanktionen: Migrantinnen und Migranten sind im deutschen Bildungssystem stark benachteiligt. Diese Benachteiligung muss gestoppt werden. Das Recht auf Bildung muss auch für Flüchtlinge und Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus gelten. Anstelle von Sanktionsdrohungen setzt eine erfolgreiche Integration die Gewährleistung gleicher Rechte und die Verbesserung der sozialen Situation der MigrantInnen voraus. 9. Geschlechtergerechte Bildung: Bildungspolitik muss grundsätzlich zum Abbau geschlechtstypischer Ungleichheit beitragen. Dazu gehört die verstärkte Förderung von Frauen in Wissenschaft und Lehre genauso, wie das Aufbrechen des Verständnisses von typischen klassischen weiblichen Ausbildungsgängen. 10. Kein Bildungsimperialismus: Wir lehnen einen wie auch immer gearteten „Kampf um die besten Köpfe“ ab. Dies steht im Widerspruch zu einer solidarischen und kooperativen Bildung und Wissenschaft, verschärft die globale soziale Ungleichheit und führt zu noch mehr Ausgrenzung. Frühkindliche Bildung und Schulpolitik Wir fordern gute Bildung von Anfang an. Hierzu brauchen wir mehr und bessere Bildungsangebote vor Beginn der Schulzeit. Wir fordern dazu den Ausbau von Kindertagesstätten und einen Rechtsanspruch auf einen gebührenfreien Kita-Platz. Die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern muss verbessert und mindestens auf Fachhochschulniveau angehoben werden. Das Schulsystem muss grundlegend umgestaltet werden, denn allen voran durch das herrschende gegliederte Schulsystem werden soziale Unterschiede verfestigt und reproduziert. Ein Kind aus einer Beamtenfamilie hat eine viermal so große Chance, ein Gymnasium zu besuchen, als ein Kind aus einer Arbeiterfamilie. Die Abiturientenquote liegt in Deutschland bei nur rund 40%. Bundesweit hat Thüringen die höchste Quote an Förderschülern. Das darf nicht sein. Wir wollen eine Schule, in der alle Kinder bis mindestens Klasse 10 gemeinsam lernen und sich dann für eine berufliche oder akademische Ausbildung entscheiden können. Wir fordern eine individuelle und kostenlose Förderung für alle Kinder, insbesondere aus bildungsfernen Schichten. Hierzu muss die Anzahl der Lehrer an den Schulen erhöht werden. Die Ausbildung der Lehrer ist zu verbessern, praxisbetonte Elemente müssen eher in das Studium aufgenommen werden. Ab Klasse 11 fordern wir ein umfassendes SchülerInnen- BAföG. Allgemeinbildende Schulen sollen wieder mehr praxisnahen Unterricht bieten. Die Ausstattung der Schulen mit Lehrmitteln und unterrichtsspezifischen Fachräumen gehört ausgebaut. Die Schulleitung sollte durch ein demokratisch legitimiertes Gremium wie der Schulkonferenz gewählt werden, die Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler sind zu stärken. Der Unterricht muss sich an einem selbstbestimmten Lernen orientieren. Wir fordern, dass die Bildung von der Verantwortung der Länder wieder in die Verwantwortung des Bundes übergeht, einen bundeseinheitlichen Lehrplan und ein bundesweites, vergleichbares Abitur. Berufliche Bildung Der Rückzug der Unternehmen aus ihrer Verantwortung für die Finanzierung und die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen kann nicht akzeptiert werden. [’solid] fordert ein Recht auf Ausbildung für alle. Da es der Wirtschaft, dem öffentlichen Dienst und anderen Beteiligten am Ausbildungspakt in Thüringen nicht gelingt über eine freiwillige Vereinbarung ausreichend qualitativ hochwertige Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, treten wir für eine gesetzliche Umlagefinanzierung zur Schaffung von Ausbildungsplätzen ein. Dabei befürworten wir die tatsächliche Aufrechterhaltung der dualen Ausbildung als Ausbildungsstruktur. Derzeit sind etwa zwei Drittel aller Ausbildungsplätze in Thüringen öffentlich finanziert und stellen somit eine enorme Subventionierung der Thüringer Wirtschaft dar - zu Lasten der jungen Menschen. Auch der öffentliche Dienst muss seine Ausbildungsquote erhöhen. Schmalspurausbildungen und Modularisierungen, die aufgrund der Verkürzung der Ausbildungszeit und der Verengung von Bildungsinhalten den Niedriglohnsektor bedienen und Jugendliche in ihrer Berufstätigkeit einschränken, sind konsequent abzulehnen. Ebenso sind Warteschleifen, Praktika und Beschäftigungstherapien als Ausbildungsersatz nicht als Perspektive für Ausbildungsplatzsuchende anzuerkennen. Stattdessen muss die Qualität von Ausbildungso hoch sein, dass sie jeder und jedem Absolventen den Zugang zu hochschulischen Ausbildungen offen hält. Die demografische Entwicklung in Thüringen macht eine Umgestaltung der Berufsschullandschaft notwendig. Wir erkennen das an und fordern gleichzeitig, dass dennoch die berufsschulische Bildung in ihrer Qualität in allen Regionen abgesichert wird, auch seltene Ausbildungsgänge erhalten bleiben, alle Beteiligten an der Umgestaltung des Berufsbildungssystems teilhaben werden und die Auszubildenden mögliche längere Fahrtwege finanziell nicht Auszubaden haben. Bei der Ausgestaltung eines einheitlichen „Berufsbildungsraumes Europa“, müssen in erster Linie soziale und qualitative Anforderungen im Vordergrund stehen. Eine Instrumentalisierung von Ausbildung zur Sicherung kurzfristiger Verwertbarkeit von Menschen auf dem Arbeitsmarkt lehnen wir ab. Berufsorientierung, Berufsberatung und Berufsvorbereitung müssen deutlich aufgebessert und aufgewertet werden, um Jugendlichen den Start in das Arbeits- und Berufsleben zu erleichtern. Erfolgreiche Projekte, wie zum Beispiel Berufsstart, sind von der Landesregierung so zu finanzieren, dass alle Schüler und Schülerinnen daran teilhaben können. Schulsozialarbeit an Berufsbildenden Schulen ist ein Bestandteil einer qualitativ hochwertigen Berufsbildung. Wir fordern die Landesregierung auf, wieder ein Programm zur Sicherung von Schulsozialarbeit an Berufsbildenden Schulen aufzulegen. Wir kämpfen für die prinzipielle Unentgeltlichkeit der Angebote in der beruflichen Erstausbildung. Hochschulpolitik Wir fordern, dass der Zugang an die Hochschulen geöffnet und die soziale Lage der Studierenden verbessert wird. Hierzu sind allen voran Verbesserungen in der Studienfinanzierung erforderlich, denn wer kein Geld hat, um sich seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, kann kein Studium aufnehmen. Kredite sind hier keine Lösung. Es ist nicht nur ungerecht, sondern schreckt auch ab, wenn man nach dem Studium vor einem Schuldenberg steht. Auch das BAföG mit seiner fehlenden Bedarfsdeckung, der Abhängigkeit von den Eltern, der weitgehenden Einschränkung auf Studierende und dem 50prozentigen Darlehensteil hilft auch nur wenig. Wir fordern stattdessen eine elternunabhängige Bildungsgrundsicherung als Vollzuschuss. Das Ziel von Bildung und Wissenschaft ist für uns nicht Anpassung an die bestehenden Verhältnisse, sondern die Fähigkeit zum kritischen Hinterfragen. Wissenschaftliche Qualifikationen müssen als Instrument für gesellschaftliche Veränderung verstanden werden. Wir kämpfen für den Ausbau bzw, Wiedereinzug kritischer Wissenschaft und marxistischer Theorie an den Hochschulen. Das Studium wird zunehmend verschult und seiner Aufgabe beraubt, die Studierenden zu kritischem, wissenschaftlichen Denken zu befähigen. Wir wollen die Möglichkeit für jeden und jede, das Studium entsprechend seinen und ihren Interessen und Zielen frei zu gestalten. Wir wollen Qualität in der Breite, statt Förderung einzelner weniger Leuchttürmen. Die Exzellenzinitiative für die Hochschulen muss sofort gestoppt werden. Wir lehnen Stiftungshochschulen und Privathochschulen ebenso ab, wie andere Konzepte zur Erzeugung einer vorgeblichen Elite. Zur Wahrung und Durchsetzung der Wissenschaftsfreiheit, ist die Hochschulautonomie nach dem Prinzip der Subsidiarität weiterzuentwickeln. Alle Studierenden müssen das Recht auf einen qualifizierten Abschluss haben. Die Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master als Einsparinstrument und Kanalisierung von Studierendenströmen ist abzulehnen. In Thüringen läuft die Umstellung der Studiengänge eher auf eine verschulte Hochschulausbildung, die Verkürzung von Studiendauer und die damit notwendige Begrenzung inhaltlicher Auseinandersetzung hinaus. Das steht der Entwicklung von kritischen und ganzheitlich gebildeten Persönlichkeiten entgegen und kann einem wissenschaftlichen Anspruch nicht genügen. Wir fordern einen offenen Zugang zum Master. Die Machtkonzentration auf Hochschulleitung und Hochschulrat, die durch das neue ThürHG von 2006 geschaffen wurde, ist zu Gunsten der Einführung demokratischer Entscheidungswege rückgängig zu machen. Entscheidungen sind drittelparitätisch von Studierenden, ProfessorInnen und MitarbeiterInnen in einem demokratisch gewählten Gremium auf der jeweiligen Betroffenheitsebene zu fällen. Die Mitgliedsgruppen sind an der Hochschulleitung zu beteiligen. Einem externen Aufsichtsgremium wie dem Hochschulrat können keine Entscheidungskompetenzen zukommen, da diese Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie gefährden würden. Er kann maximal beratend tätig sein. Die Hochschulbildung ist durch die Beteiligung der Studierenden an der Weiterentwicklung der Lehre und nachprüfbare Konsequenzen der Evaluation demokratisch zu gestalten. Die Personalausstattung an Thüringer Hochschulen muss verbessert werden, derzeit sind knapp 470 Stellen an Thüringer Hochschulen nicht besetzt. Das führt soweit, dass studentische Hilfskräfte einen Anteil von etwa 7% an allen geleisteten Arbeitsstunden an Thüringer Hochschulen übernehmen. Gleichzeitig ist die Situation studentischer Beschäftigter prekär, undurchsichtig und ungleich. Wir fordern für studentische Beschäftigte im Wissenschaftsbereich einen Tarifvertrag nach dem Vorbild Berlins, der Studierenden unter anderem eine Mindestvergütung, Urlaubsanspruch, Personalvertretung und dauerhafte Arbeitsverträge zusichert. Studentische Hilfskräfte dürfen keine reguläre Beschäftigung ersetzen. Die Benachteiligung von wissenschaftlichen Hilfskräften nach Hochschularten ist aufzuheben. Ein – Euro – Jobs an Thüringer Hochschulen sind genauso abzulehnen wie Lohndumping zum Beispiel durch Outsourcing. Den Missbrauch von Praktika nach einem Hochschulabschluss lehnen wir ab. Diese führen die PraktikantInnen nicht weiter. Vielmehr erweisen sich die Praktika als Sackgasse, die einerseits daran hindert, das Leben selbst zu finanzieren und damit zu bestimmen und anderseits feste Arbeitsverhältnisse verdrängt. Derartige Praktika sind angemessen, mindestens mit 400€ zu entlohnen und müssen erkennbar auf eine Weiterbildung ausgerichtet sein. Wenn die Leistung der PraktikantInnen einem vollwertigen Beschäftigungsverhältnis entspricht, sind sie dementsprechend zu bezahlen und rechtlich gleich zu stellen. |
























